Die Opferzahlen 1706

Die Angaben zu den Opferzahlen der Schlacht bei Aidenbach 1706 auf Seiten der „Aufständischen“ schwanken zwischen 2.000 und 4.000. Deshalb ist es eine wesentliche Aufgabe des Geschichtsprojekts, die Opferzahlen zu validieren.

Joseph Pamler hat 1854 die „Geschichte des Marktes Aidenbach“ fertig gestellt.[1] Unter § 29 von Seite 226 bis einschl. Seite 268 sind die Ereignisse vom 8. Januar 1706 beschrieben[2]. Insbesondere aber hat Pamler aus Sterbebüchern einzelner Pfarreien der Dekanate Aidenbach und Fürstenzell die dort eingetragenen Toten vom 8.Januar 1706 notiert. War es Pamler damals mit dem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln -er musste die einzelnen Pfarreien bereisen und die Sterbematrikeln durchsuchen- alle Toten der Schlacht bei Aidenbach zu erfassen?

Mit  www.matricula-online.eu bahnbrechende Recherchemöglichkeiten geschaffen. Das Diözesanarchiv Passau unter Leitung von Dr. Wurster hat 2011 die Matrikel des Bistums Passau online gestellt. Dr. Wurster stellte ein Transkript zu Totenlisten vom 8. Januar 1706 aus den Sterbebüchern der Pfarreien (in alphabetischer Reihenfolge) zur Verfügung[3]. Die Bearbeitung der Sterbebücher des Bistums Passau lieferte nicht nur eine Vielzahl von Namen von Gefallenen sondern war ein erster Versuch einer systematischen Betrachtung. Unter der Überschrift „Überprüfte Pfarrbücher des Bistums Passau, in denen keine Toten von Aidenbach (1706) eingetragen sind:“ (siehe auch Anhang, Transkript Dr. Wurster und Das Geschichtsprojekt).

Zu den Gefallenen wurden -soweit über matrikula-online und zusätzlichen Familienbüchern verfügbar- folgende Merkmale erfasst:

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[1] Geschichte des Marktes Aidenbach, Joseph Pamler, 1854

[2] Ausschnitt aus dem Buch „Geschichte des Marktes Aidenbach“ von Joseph Pamler, Verlag Eisenmann 1912 ????

[3] ABPHWW/04.Ge/G1/G1350-B-1706-Aidenbach-pdf

Wie bereits im Teil „Das Geschichtsprojekt“ erwähnt, erfolgt die Aufteilung nach Dekanaten und Pfarreien der Tabellarische Beschreibung des Bisthums Passau 1828[1] Martin Süss (Hrsg.).

Mit Blick auf die Frage, wo die Gefallenen begraben sind, (gemäß Sterbematrikula und ergänzt um die Aussagen zu den Massengräbern auf dem Kleeberg, dem Reschenberg und dem Handlberg (siehe hierzu Ausführungen zur Pfarrei Egglham) ergeben sich nach derzeitigem Forschungsstand folgende Zahlen:

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[1] https://bildsuche.digitale-sammlungen.de => Martin Süss (Hrsg.) Tabellarische Beschreibung des Bistums Passau

Die Herkunft von Gefallenen, die in den Massengräbern am Handlberg, Kleeberg und Reschendobl (nach derzeitigem Wissensstand anhand der verfügbaren Quellen 958) verscharrt wurden, ist bisher nur sehr lückenhaft dokumentiert und ermittelbar. Nach derzeitigem Stand ergibt sich folgendes Bild: 

Wir können an dieser Stelle also feststellen, dass nach derzeitigem Forschungsstand des Geschichtsprojekts eher von 1.600 als von 7.000 Gefallenen auszugehen ist.

Wird der Blick auf die Herkunft der in den Sterbebüchern der betroffenen Pfarreien dokumentierten Gefallenen von 1706 gerichtet, ergibt sich folgendes Bild:

Die Zahlen zeigen, dass von 773 Gefallenen die Herkunft über Sterbebücher und weitere Dokumente zweifelsfrei nachgewiesen ist. Das heißt aber, dass bei weit über 800 Gefallenen die Herkunft ungeklärt ist. Die Opferzahlen der Pfarreien der damaligen Dekanat Aidenbach und Fürstenzell dürften weitgehend vollständig sein. Bei allen anderen Pfarreien der betroffenen Dekanate (eine Ausnahme ist die Pfarrei Weng) sind anhand weitere Quellenanalysen (z.B. der Wiederverheiratung von Witwen ab 1706) weitere Nachforschungen erforderlich.


Der Verlust an (männlichen) Arbeitskräften)

Inwiefern die Region bereits durch die Gefallenen der Schlacht bei Höchstadt und die Rekrutierung durch die österreichisch-kaiserliche Besatzungsmacht Verluste an Arbeitskräften zu verzeichnen hatten, ist nicht bekannt. Aber die Opferzahlen relativ zur männlichen Bevölkerung zwischen 18 und 50 Jahren deuten auf erhebliche, weitere Verluste an Arbeitskräften hin.

Da uns die Herkunft der über 1.000 Toten (geht man davon aus, dass auch am Handlberg ein Massengrub ist) in den Massengräbern weitgehend nicht bekannt sind, müssen wir die Betrachtung auf die Einträge in den Sterberegistern beschränken.[1]

Bevölkerungsstand Anfang des 18. Jahrhunderts in der Region

Über die Tabellarische Beschreibung des Bisthums Passau 1828[2] Martin Süss haben wir exakte Bevölkerungszahlen zu den Pfarreien des Bistums Passau, allerdings mit stand 1828, also gut 100 Jahren später.
Laut Manfred Rauh [3] ist über die bayerische Bevölkerungsentwicklung vor 1800 erstaunlich wenig bekannt. Aus dessen umfangreichen Analysen können im Zeitraum von etwa 1700 bis 1828 folgende Zahlen zur Entwicklung der Bevölkerung in Bayern festgehalten werden:

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[1] Mit weiteren Recherchen werden wir innerhalb des Geschichtsprojekts insbesondere über Analysen zu Wiederverheiratungen von Witwen im Zeitraum von 1706 – 1710 die Zahlen zu den Gefallenen in einzelnen Pfarreien ergänzen.

[2] https://bildsuche.digitale-sammlungen.de => Martin Süss (Hrsg.) Tabellarische Beschreibung des Bistums Passau

[3] Manfred Rauh, Die bayerische Bevölkerungsentwicklung vor 1800, Ausnahme oder Regelfall?, Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte –ZBLG- Band 51 1988, S 471-601), S. 391

Die Bevölkerungszahlen von 1700 liegen also in etwa bei 65 % des von Martin Süss 1828 ermittelten und dokumentierten Bevölkerungsstandes.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen handelte es sich bei den Gefallenen um Männer im Alter zwischen 18 und 50 Jahren, die dann als Arbeitskräfte insbesondere in der Landwirtschaft ausgefallen sind. Um die Verluste an Arbeitskräften zu verdeutlichen, wird die Zahl der Gefallenen der entsprechenden Bevölkerungszahl gegenübergestellt. Dies ist jedoch nur insoweit sinnvoll, als die Gefallenen den Pfarreien weitgehend vollständig zugeordnet werden können.

Ebenfalls in den Ausführungen von Manfred Rauh zur Bevölkerungsentwicklung vor 1800 in Bayern finden sich Zahlen zu einer ersten Volkszählung in Kurbayern[1], die die Altersstrukturen der damaligen Bevölkerung abbilden.

 



[1] Manfred Rauh, Die bayerische Bevölkerungsentwicklung vor 1800, Ausnahme oder Regelfall?, Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte –ZBLG- Band 51 1988, S 471-601), S. 503

Zu der Volkszählung von 1790 wird zwar darauf hingewiesen, dass ein geringfügiger Frauenüberschuss bestand. Für die weiteren Betrachtungen wird jedoch von einem Anteil der männlichen Bevölkerung von 50 % ausgegangen. Damit rechnen wir mit einem Anteil von 23 % der männlichen Bevölkerung zwischen 18 und 50 Jahren.

 

Bei der relativen Betrachtung der Opfer der Schlacht bei Aidenbach 1706 beschränken wir uns auf die damaligen Dekanate Aidenbach, Aigen, Fürstenzell, und Pfarrkirchen. Bei einem zum derzeitigen Bearbeitungsstand angenommenen Zahl von rund 1.600 Getöteten ergibt das einen Anteil von rund 8 % der arbeitenden, männlichen Bevölkerung. Bei einzelnen Pfarreien (Uttlau, Haarbach und Höhenstadt liegt dieser Wert bei über 15% - siehe die Detaildarstellung zu den Dekanaten/Pfarreien).

Detailliertere Betrachtungen werden, bezogen auf die in den jeweiligen Pfarreien der Dekanate Aidenbach, Aigen, Fürstenzell, und Pfarrkirchen nachgewiesenen Gefallenen angestellt.